«ONE TRICK QUOKKA»

Musik

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Wie die Geschichte um Tim Iatradšin eine verwirrte und verwirrende Art von Biographie über Martin Felder war, so ist «ONE TRICK QUOKKA» dies über mich. Oder zumindest über mein schöpferisches Ego – was auch immer das bedeuten mag. Obwohl ich explizit nur einen Song im bewussten Mindset der Postkontemporalität erschaffen habe, empfinde ich «ONE TRICK QUOKKA» als Ganzes dennoch als postkontemporäres Produkt. Unser Jetzt ist geprägt von höchstpolierten Einheiten, die aus dem Nichts von künstlicher Intelligenz ersetzt wurden. Ich wollte etwas Raues, Echtes erschaffen. Darum finden sich hier alte, betrunkene und willkürliche Aufnahmen, die hoffentlich anders genug sind, um vor Echtheit zu triefen. Darunter auch ein Song, den als solchen zu definieren, zeitgenössisch gesehen wohl ein Affront ist.

Songliste

Cold | Aufnahmejahr: 2008

Traurig und einsam – ohne das wirklich zu verstehen – dachte ich obendrein, ich könne nichts. Dann erfand und sang ich über ein von Ruedi aufgenommenes, kurzes Demosample mit dem Titel «Cold» diesen Text. Als ich das Ergebnis hörte, dachte ich für einen kurzen Moment: Hey, wow.

Quokka | Aufnahmejahr: 12026

Am Releasetag dieses Albums, dem 2. Januar 2026, meinem 40. Geburtstag, führte ich eine Kunstperformance auf. Dort kommunizierte ich mit einer Version von mir, die im Jahr 12026 lebt. Ob das in der Zukunft oder einem anderen Universum ist, muss jede:r selbst entscheiden. Klar ist jedoch: Jene Inkarnation lebt in einer Welt, in der es Kreativität nicht (mehr) gibt. Dieses Lied ist das erste kreative Werk, das diese Inkarnation schliesslich erschafft. Sie beschäftigt sich inhaltlich mit Existenz und dem Gedanken, dass ihre Nichtexistenz etwas Gutes wäre.

The Stairwell Man | Aufnahmejahr: 2022

Ich glaube nicht, dass man hier inhaltlich viel erklären muss. Es gibt keinen versteckten Code oder Hinweise auf eine Fehde mit einer berühmten Person. Der titelgebende Mann im Treppenhaus ist eine reale Person, die jeden Donnerstag eben jenes putzte – unter anderem mit einem unglaublich herzigen Staubsauger-Rucksack. Er war eine sehr nette Person. Erinnerte sich sogar einige Monate nach meiner Entlassung bei einem Zufallstreffen noch an mich.
Ich war sehr «verliebt» und alle im Büro wussten es. Wir machten viele Witze darüber und eines Tages sagte Michelle (friend), ich sei sehr thirsty. Ich widersprach und meinte, ich sei Thursday. Wir lachten und ich beauftragte dann eine extrem frühe Version einer OpenAI-KI damit, einen Song zu schreiben. Ja, mit dieser Wendung hast du nicht gerechnet: Pfoffie, KI-Hasser:in der vordersten Front, hat einen von KI geschriebenen Song im Album gegen diesen Zeitgeist. Tja, das ist dieser Song – und die Flüche stammen von mir.

51 Years from Now | Aufnahmejahr: 2011

Es ist die letzte Session der Band «UNMAZED». Ruedi und ich trafen uns oft in der Luzerner Schötti, um Musik zu covern und Neues zu jammen. Stets mit dabei: Zu viel Alkohol und Kälte. An jenem Augustabend besuchte uns sogar fieser Regen. Es entstanden grossartige Songs wie «Shooting Drops», «Injured People» oder eben dieser hier.
Die erwähnten 51 Jahre Zeitdifferenz waren unser Running Gag an jenem Tag. Wir trafen uns jeweils am Bahnhof Luzern. Ein Zug kam kurz vor der vollen Stunde an, der andere kurz danach – 11 Minuten Unterschied. Schreibt man die Uhrzeiten ohne Doppelpunkt, sehen sie wie Jahreszahlen mit 51 Jahren Unterschied aus. Haha.
Der Song schaffte es aber nicht wegen dieses grossartigen Spasses auf das Album. Nein: «51 Jahre nach heute» und damit auch die zentrale Bedeutung dieser Zahl wurde zum ersten Kapitel meines Romans «Grossvaters Zeitmaschine» von Horace Ekgren.

Pfideos | Aufnahmejahr: 2007

Weit vor dem Wort wollte ich Influencer sein. Stets zu Wichtigkeit und Auffälligkeit berufen gefühlt, erschuf ich einen Blog und schliesslich auch einen Vlog. Weder meine Technologie noch meine Takes waren von nötiger Qualität oder relatable genug. Ich habe schon damals das Marketing-Spiel nicht verstanden. Nur die wenigsten schaffen es, berühmt zu werden. Nicht jeder kann Justin Bieber sein – und ich war einer davon, der nicht Justin Bieber war. Und irgendwann gab es dann diesen Song, erstellt aus gratis Samples in GarageBand, als Intro aber theoretisch auch als Hintergrundmusik für Videos.

Spicy | Aufnahmejahr: 2025

Neunzehnter November 2025, 12:22: Giuli und ich haben uns ausgekotzt und sie schickt mir schliesslich – aus Versehen – eine 1x-Sprachnachricht. Ich erwartete irgendwas Verrücktes, doch es war bloss ein normaler Rant. Also beschwerte ich mich darüber. 13:28: Giuli sendet mir die Datei «Spicy.mp3» und sagt «es tut mir so leid!». Doch ich finde es «GENIUS» – und diese MP3 ist nun auf diesem Album.
Es ist der letzte Song, weil es das perfekte Intro für alle Songs ist. Die richtige Reihenfolge, das Album zu hören, ist Shuffle mit «Spicy» als ersten Song.


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