Erklärung: Postkontemporär
Das Wort kontemporär kommt von den lateinischen Wörtern für «zusammen» und «Zeit». Es bezeichnet also die Zeit, die gemeinsam mit uns geschieht. Das deutsche Wort dafür ist zeitgenössisch. Zeitgenössische Kunst ist Kunst aus dem Jetzt. Auch wenn dieser Begriff eines Tages als beschreibender Fachterminus in die Kunstgeschichte eingehen wird, wird er diese objektive Bedeutung niemals verlieren. Vielleicht wird es in zukünftigen Sprachen andere Wörter geben aber gemäss dieser Bedeutung werden auch Werke aus dem Jahr 12026 noch kontemporär für das Jahr 12026 sein. Für Werke unserer Zeit wird hoffentlich bis dann ein eigener Name definiert.
Dieser Name wird allerdings auch nicht postkontemporär sein. Das Wort, mit dem ich mein eigenes Schaffen kategorisiere, fügt dem Begriff lediglich das lateinische Wort für «danach» hinzu. Ich halte meine Werke also für «nachzeitgenössisch» und hoffe, dass es vielleicht irgendwann eine treffendere Bezeichnung geben wird. Denn wir sollten auch das Wort postkontemporär im Jahr 12026 noch benutzen; für die Dinge, die dann eben nachzeitgenössisch sein werden. Aber:
Was bedeutet postkontemporär?
Meine Kunst ist nicht wie andere Kunst. Das meine ich weder pick-me noch despektierlich – weder mir selbst noch anderer Kunst gegenüber. Aber es ist, so glaube ich, tatsächlich schwierig bis unmöglich, mein Schaffen einzuordnen. Natürlich ist es faktisch zeitgenössisch; ich schaffe unvermeidbar im «Jetzt». Doch ich strebe keine Stile oder Wiedererkennungsmerkmale an. Was ich anstrebe, ist das «Andere». Ich suche nach Dingen, die es noch nie gab. Ob meine Werke dieses Ziel erreichen (werden), liegt nicht in meiner Entscheidungshoheit.
Postkontemporär nenne ich, was sich bewusst ausserhalb der gegenwärtigen kulturellen, stilistischen und ästhetischen Kategorien positioniert. Es sind Werke, die vielleicht aus heutigen Diskursen hervorgehen, aber mit einer Absicht, etwas hervorzubringen, das weder im Jetzt verortbar noch in bestehende Traditionen integrierbar ist. Etwas Anderes; Veränderung. Ohne ein wertendes Prädikat von gut oder schlecht.
Andere Menschen verwenden den Begriff post-contemporary bereits im Rahmen von PoCo. Sie meinen damit etwas anderes – eine eher philosophisch-ästhetische, zukunftsorientierte Haltung. Dennoch überlappen wir uns wahrscheinlich dort, wo PoCo wie ich das Verlassen bestehender Kategorien, das Streben nach Neuem und das Öffnen von Räumen jenseits des Zeitgenössischen betont. Mehr dazu auf Wikipedia: